Schreiben mit zwei T – Teil 8

Inzwischen ist unsere digitale Schreibwerkstatt schon weit fortgeschritten. Wer bei allen Teilen dabei war, hat vielleicht schon einige eigene Texte verfasst. Wir freuen uns über Einsendungen und veröffentlichen gerne die besten Texte hier auf dem Feuergriffel-Blog!

Heute gibt es nun wieder eine kleine „Lehrstunde“ von Tobias Steinfeld:

Wir wünschen viel Freude beim Zuschauen und Ausprobieren!

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Ausschreibung 28. open mike – Wettbewerb für junge Literatur

Das Haus für Poesie lobt gemeinsam mit den unten genannten Förderern aus Verlagswesen und Buchhandel in diesem Jahr den 28. open mike – Wettbewerb für junge Literatur aus.

Der open mike fördert den literarischen Nachwuchs und bietet jungen Autorinnen und Autoren eine Bühne, bringt sie in Kontakt mit der literarischen Öffentlichkeit und dient der Netzwerkbildung. Der open mike unterstützt junge Talente nachhaltig und hilft ihnen, eine eigene literarische Stimme zu entwickeln. Der 28. open mike ist mit insgesamt 7.500 EUR dotiert.

Teilnahmevoraussetzungen

1) Am open mike teilnehmen können junge deutschsprachige AutorInnen, die nicht älter sind als 35 Jahre (Stichtag 13.07.2020) und weder eine eigenständige literarische Buchpublikation (betrifft auch E-Books) noch einen Vertrag bezüglich einer Buchpublikation mit einem Verlag abgeschlossen haben.

2) Eingereicht werden kann entweder Prosa (z.B. Kurzprosa, Erzählung oder ein in sich geschlossener Romanauszug) oder Lyrik, deutschsprachig oder übersetzt.
Die Texte dürfen nicht veröffentlicht sein, das betrifft auch Veröffentlichungen im Internet, als E-Book, in Zeitschriften, Anthologien und Publikationen jeder Art, und nicht erfolgreich zu einem anderen Wettbewerb oder Stipendium eingereicht worden sein.

3) Erstmals können in beiden Gattungen auch Übersetzungen ins Deutsche eingereicht werden. In diesem Fall haben die einreichenden AutorInnen ihren Lebensmittelpunkt in den deutschsprachigen Ländern, bedürfen aber (noch) der Mithilfe von ÜbersetzerInnen.
In diesem Fall gelten die Teilnahme-Voraussetzungen 1) und 2) sowohl für AutorIn und ausgangssprachlichen Text als auch für ÜbersetzerIn und Übersetzung.

Einreichung

Eine vollständige Einreichung umfasst:
– Das Manuskript: Der Umfang der eingereichten Texte (Lyrik oder Prosa, nicht beides zusammen) sollte einer 15-minütigen Lesezeit entsprechen. Deutlich zu lange oder zu kurze Einsendungen werden vom Wettbewerb ausgeschlossen. Die eingereichten Texte sollen folgendes Format haben: A 4-Format, einseitig bedruckt, Schriftgröße 12. Die Manuskripte müssen in zweifacher Ausfertigung als lose Blätter (ohne Heftung) eingereicht werden. Auf den Manuskriptseiten darf weder der AbsenderInnen-Name noch ein Kennwort erscheinen.
– Biografie und Kontaktdaten: Der Bewerbung müssen die Kontaktdaten (Name, Adresse, Telefonnummer und E-Mail-Adresse) sowie das Geburtsdatum und eine kurze Biografie der Bewerberin / des Bewerbers beiliegen.

Jede Teilnehmerin / jeder Teilnehmer kann nur eine Bewerbung einsenden. Einsendungen erfolgen ausschließlich per Post, Bewerbungen per E-Mail sind nicht möglich. Eine Rücksendung der Manuskripte erfolgt nicht.

Einsendeschluss ist der 13. Juli 2020 (Datum des Poststempels).


Wettbewerbsablauf

1. Runde: Auswahl durch das Lektorat
Ein unabhängiges Lektorat, bestehend aus VerlagslektorInnen, wählt aus den anonymisierten Einsendungen 18 Texte für das Finale aus. Die ausgewählten BewerberInnen erhalten Anfang Oktober 2020 eine persönliche Einladung, die Namen der FinalistInnen werden zudem auf www.haus-fuer-poesie.org bekannt gegeben.
Den eingeladenen AutorInnen werden Reisekosten (Bahn 2. Klasse) und zwei Übernachtungen nach Beleg- und Rechnungseinreichung für zwei Übernachtungen in Höhe von bis zu 250 Euro erstattet. (Dies gilt nicht für AutorInnen aus Berlin.)
Die ausgewählten Texte werden als Anthologie veröffentlicht, die zum Wettbewerbsfinale im November erscheint.
Nicht für das Finale ausgewählte TeilnehmerInnen werden nicht gesondert informiert.

2. Runde: Öffentliches Finale
Das Finale wird in Form einer öffentlichen Lesung am Wochenende vom 6. bis 8. November 2020 in Berlin ausgetragen. Jede/r FinalistIn hat genau 15 Minuten Lesezeit zur Verfügung, um den Text vorzustellen und die Jury, bestehend aus drei AutorInnen, und das Publikum zu überzeugen.
Die Jury ermittelt drei GewinnerInnen und vergibt Preise in Gesamthöhe von 7.500 EUR. Mindestens ein Preis wird für Lyrik vergeben. Über die Aufteilung der Gewinnsumme entscheidet die Jury. Zusätzlich vergibt die taz-Publikumsjury einen Publikumspreis, der in einem Abdruck des Gewinnertextes in der Tageszeitung besteht. Das Deutschlandradio Kultur produziert des Weiteren ein Feature über den Wettbewerb.

Darüber hinaus werden alle FinalistInnen des open mike zu einem Workshop im Februar 2021 eingeladen, bei dem sie die Möglichkeit haben, in konzentrierter Atmosphäre mit erfahrenen AutorInnen und LektorInnen an ihren Texten zu arbeiten und sich mit wichtigen Aspekten des Literaturbetriebs wie des eigenen Schreibens bekannt zu machen.

Weitere Bedingungen

Die TeilnehmerInnen des open mike stimmen mit der Einsendung ihrer Texte für den Fall der Auswahl für das Finale Folgendem zu:
– der Veröffentlichung der eingesandten Texte in der Wettbewerbs-Anthologie. Die Rechte am Text verbleiben bei der/dem AutorIn, dürfen aber bis zum Finale im November nicht anderweitig veröffentlicht werden.
– der Veröffentlichung der Namen und Biografien der FinalistInnen
– ggf. der Veröffentlichung des Textes während oder nach dem Wettbewerb durch das Haus für Poesie in eigenen Publikationen und auf den eigenen Internetseiten
– dem Ton- und Bildmitschnitt der öffentlichen Lesung und der Verwendung des Mitschnitts durch das Haus für Poesie und die Medien
– der Veröffentlichung von Bild- und Tonaufnahmen, die im Rahmen des Wettbewerbs und damit zusammenhängenden Veranstaltungen entstehen, durch das Haus für Poesie und die Medien zu Zwecken der Berichterstattung über und PR- und Öffentlichkeitsarbeit für den open mike
– die eingeräumten Rechte gelten zeitlich unbegrenzt, sowohl für die vollständige als auch teilweise Veröffentlichung des Textes
– die/der AutorIn bestätigt mit der Einreichung, dass der Text von ihr/ihm stammt

Neben den Ausschreibebedingungen gelten die Statuten des open mike.

Einreichungen unter dem Kennwort „open mike“ bis zum 13.07.2020 an:
Haus für Poesie
Knaackstraße 97 (Kulturbrauerei)
10435 Berlin

Der open mike im Netz
www.openmikederblog.de
www.facebook.com/openmikeberlin

Kontakt
Saskia Warzecha
openmike@haus-fuer-poesie.org

Der open mike ist eine Veranstaltung des Hauses für Poesie mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Kommunikationsaufbau sowie den Verlagen Bastei Lübbe, Berlin Verlag, Blessing Verlag, btb, Verlagsgruppe Droemer Knaur, Edition Korrespondenzen, Verlag Kiepenheuer & Witsch, KOOKbooks, Luchterhand, Matthes & Seitz Berlin, Penguin Verlag, Piper, poetenladen, Rowohlt, S. Fischer Verlage, secession, Ullstein Buchverlage, Verlagshaus Berlin, Voland & Quist, Wallstein Verlag, Verlag das Wunderhorn sowie dem Buchhandelsunternehmen Thalia Mayersche und in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln und dem Allitera Verlag.

Quelle: https://www.haus-fuer-poesie.org/de/open-mike/28/ausschreibung/

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Schreiben mit zwei T – Teil 7

Letzte Woche im Livechat hat Tania Witte einen Einblick gegeben in ihre Arbeit als Teil von Ella Blix und auch erzählt, was Corona für Autorinnen und Autoren bedeutet. Heute hat sie wieder einen Schreibtipp für uns, verbunden mit einer Aufgabe.

Viel Spaß beim Zuschauen und Zuhören, aber vor allem viel Schreibfreude wünschen wir!

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Schreiben mit zwei T – Teil 6

Heute ist ein ganz besonderer Tag – heute sehen und hören wir gleich beide „Feuergriffel“. Tobias Steinfeld hat wieder eine spannende Aufgabe für uns und Tania Witte steht bereit, um im Livechat Fragen zu beantworten, denn heute ist der bundesweite Digitaltag.

Wer ganz spontan heute um 16 Uhr noch mit der Autorin sprechen möchte, schreibt eine E-Mail mit zwei bis drei Fragen an: stadtbibliothek.paedagogik@mannheim.de

Wir wünsche, wie immer, viel Freude an der digitalen Schreibwerkstatt!

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Text aus der Schreibwerkstatt – Teil 4

Die Legende vom Ende der Jerchower Burg

von „Feuergriffel“-Schreiblehrling

Elf Wochen dauerte die Belagerung der Burg der Jerchower schon an. Die Mannen des Kurfürsten Ludowig hatten das schmale Plateau vor der Burg vollständig besetzt und die Burg damit von der Außenwelt abgeschnitten. Einst hatte Kurfürst Konrad Jaro von Jerchow, genannt Jaro der Große, die Burg auf dem Bergsporn und das umliegende Land zum Lehen gegeben. Jaro von Jerchow sollte mit seinen Getreuen das umliegende Land sichern, die Steuern eintreiben, den Zoll einnehmen und durchreisenden Händlern Schutz und Geleit darbieten. Dem Kurfürsten treu erfüllten Jaro von Jerchow und die Seinen diesen Dienst über Jahre gewissenhaft und redlich. Habsucht und Machthunger jedoch, diese ewigen, dunklen Schatten der Großen, schlichen lange um Jaro von Jerchows Burg und fanden endlich doch Einlass in Burg und Gesinnung. Am Anfang nahmen der große Jaro und die Seinen mehr Zoll als festgesetzt und erhöhten Steuern und Abgaben im zum Lehen gegebenen Land. Späterhin begannen sie die Händler anstatt zu schützen auszurauben und pressten weitere Abgaben und Frondienste aus dem Volk. Am Ende brandschatzten und raubten sie im eigenen Land und drangen auch weit in das Umland vor. Mit der Rückkehr von jedem Raubzug steigerten sich Reichtum und Rücksichtslosigkeit.

Es beschloss Kurfürst Ludowig, der auf Kurfürst Konrad selig folgte, diesem argen Treiben ein Ende zu setzten. Er sandte eine Streitmacht von 400 Mannen und setzte Jaro von Jerchow und die Seinen in der Burg fest. Zwischen den Mannen des Kurfürsten und den Getreuen des großen Jaro, lagen nur ein Wall, ein Graben und das Schussfeld. Das Schussfeld zu betreten wagten die Mannen des Kurfürsten Ludowig nicht. Gefürchtet war die Schießkunst von Jaros Getreuen. Flogen ihre Pfeile auch nicht so weit, nicht so weit wie die der Mannen des Kurfürsten, so fand doch ein jeder Pfeil sein Ziel und tat sein Werk.

Elf Wochen dauerte die Belagerung der Burg der Jerchower schon an. Die Mannen des Kurfürsten Ludowig hatten das schmale Plateau vor der Burg vollständig besetzt und die Burg damit von der Außenwelt abgeschnitten. Doch des Kurfürsten Mannen selbst befanden sich in einer misslichen Lage. Seit Tagen geöffnet waren des Himmels Schleusen und der dringend erwartete Nachschub für des Kurfüst Ludowigs Mannen blieb aus und die Mägen leer. Dazuhin spielten Jaro von Jerchow und seine Getreuen böses Spiel mit den Mannen des Kurfürsten. Täglich führten Jaros Getreue vor den Augen von Kurfürst Ludowigs Mannen Schafe und Ziegen über den Wehrgang. Beständig klangen Geräusche von Gelage und Schmähgesang aus der Burg zu des Kurfürst Ludowigs Mannen. Und jeden Tag stand der große Jaro höchstselbst über Stunden offen an der Brustwehr der Burg. Eingedenk dessen, dass kein Pfeil der Belagerer ihn treffen konnte, wuchsen sein Stolz und sein Hochmut mit jedem Tag.

Am Vorabend von Palmarum erschien der große Jaro wieder auf dem Wehrgang oberhalb des Burgtores. Und während der große Jaro dort stand, öffnete sich unter seinen Augen und vor den Augen der Mannen des Kurfürsten langsam das Burgtor. Das Fallgitter wurde hochgezogen und 4 von Jaros Getreuen rollten ein volles Weinfass aus der Burg. Im vorherbestimmten Abstand zur Burg stellten sie das Weinfass auf und gingen zurück in die Burg, das Tor weit offen lassend.

Da kam ein Wallen über die zermürbten Mannen des Kurfürsten und in blinder Wut begannen sie den Sturm auf die Burg.

In Reihen fielen des Kurfürst Ludowigs Mannen im Hagel der von Jaros Getreuen ausgesandten Pfeile. Der Regen aus des Himmels offenen Schleusen gab sein Übriges dazu. Dem grausamen Martyrium auf dem Schlachtfeld erlagen 388 von des Kurfürsten Mannen. Zwölf nur drangen durch das noch immer offene Tor bis in die Jerchower Burg vor. Daselbst aber waren der große Jaro und seine Getreuen verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Desgleichen der erwartete Schatz.

Noch heute geht die Mär, dass der große Jaro und seine Getreuen noch immer tief unter der Erde ihren Schatz bewachen und auf ihre Rückkehr warten. Und in manchen regendurchdrungenen Nächten sollen bis ins Tal von der längst zur Ruine zerfallenen Burg Geräusche von Gelage und Schmähgesang zu hören sein.

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Schreiben mit zwei T – Teil 5

Mit der heutigen fünften Folge hat unsere digitale Schreibwerkstatt Halbzeit. So ein verlängertes Wochenende bietet vielleicht eine gute Gelegenheit und viele Zeit zum Schreiben.

Die wunderbare Tania Witte hat auf alle Fälle wieder einen tollen Tipp für Euch.

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Schreiben mit zwei T – Teil 4

Was wäre ein Freitag ohne einen neuen Tipp? Kein gutes Ende der Woche!
Was wäre ein Wochenende ohne eine neue Schreibaufgabe? Zwei Tage Leere und Langeweile!
Dagegen hilft nur eine Sache, eine neue Folge unserer digitalen Schreibwerkstatt, diesmal mit Tobias Steinfeld.
Wir wünschen viel Inspiration und Schreibfreude!

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Der Blick aus dem Fenster

Ich sitze im Bus und schaue aus dem Fenster. Alles fliegt vorbei.

Langsamer im Hintergund die Landschaft, schneller im Vordergrund Bauwerke, Schilder, einzelne Bäume und Personen.

Nichts lässt sich genau erkennen. Schnell wechselnde Statisten vor einer fließenden Kulisse.

Flüchtige Bilder.

Am Ende nichts was bleibt.

Wir freuen uns über den zweiten Beitrag von einem Teilnehmer an der Schreibwerkstatt „Schreiben mit zwei T“

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Schreiben mit zwei T – Teil 3

Heute bekommen wir wieder einen spannenden Tipp von Tania Witte. Wir wünschen allen viel Spaß bei der Umsetzung. Das lange Pfingswochenende bietet ja viel Zeit dafür.

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Das Püppi, das Buch und der Clownwecker mit den großen Augen

Wir freuen uns den ersten Text eines „Feuergriffel“-Schreiblehrlings veröffentlichen zu dürfen.

„Autsch!“, beschwerte sich Püppi. „Du kannst doch nicht mit deinem harten Rücken mir voll auf die weiche Nase fallen!“

„’tschuldigung“, brummte das Buch, „war nicht meine Absicht. Ich konnte meine Flugbahn nicht ändern. Ich wurde so grob geworfen.“

„Du auch?“, wunderte sich Püppi. „Mich haben auch ganz große Hände ganz hart gepackt. Hier! Mitten um meinen Körper. Ich war ganz zusammengedrückt! Ich bin es immer noch! Mir tut jetzt noch alles weh! Und dann fällst du mir auch noch mitten ins Gesicht, voll auf meine weiche Nase… Ich verstehe das nicht. Jeden Tag wurde ich geknuddelt und gestreichelt von so lieben kleinen weichen warmen Händen. Und dann? Und dann? Wurde ich einfach in eine Ecke gelegt! Und dort habe ich dann gelegen, Tag um Tag um Tag. Ich kann sie gar nicht zählen, soooo viele Tage.Und ich wurde nicht mehr geknuddlet. Niemand hat mich mehr in die Hand genommen. Mein kleines Herz hat ganz geweint. Und jeden Tag habe ich geträumt von meinen lieben kleinen weichen warmen Händen. Dass sie wiederkommen. Und dann kamen endlich wieder Hände. Aber sie waren groß und grob und haben mich ganz hart gepackt und hier hin geworfen … in diese … Tüte? – Ach, was hat das zu bedeuten? – Kannst du mir das erlären?“

„Püppi“, brummte das Buch, „du weißt doch: Ich stehe immer mit dem Rücken zum Zimmer. Ich habe Nichts gesehen. Aber mir ist es ähnlich gegangen wie dir. Seite um Seite wurde ich geblättert, Wort für Wort, Zeile für Zeile wurde ich mit dem Finger gestreichelt. Alle meine Geheimnisse habe ich so preisgegeben und geteilt. Dann wurde ich weggestellt, eingeklemmt zwischen anderen Büchern und nicht mehr beachtet. Sieh nur! Mein oberer Schnitt: ganz grau und staubig ist er geworden. So geht man doch nicht mit mir um!“, endete das Buch entrüstet und vorwurfsvoll seine Rede.

„Ach, sieh mal!“, rief das Püppi. „Da drüben ist der Clownwecker mit den großen Augen. Der muss doch bestimmt was wissen. Hey! Clownwecker! Weißt du was los ist?“

Doch der Clownwecker schwieg.

„Clownwecker, Clownwecker, wach auf! Sprich mit uns!“

Doch der Clownwecker schwieg.

„Wo ist der Clownwecker?“, wollte das Buch wissen. „Ich kann ihn nicht sehen.“

„Direkt hinter dir“, antwortete Püppi sofort. „Mit deiner Ecke links hinten bist du ganz nahe an seinen Augen!“

„Links hinten?“, fragte das Buch. „Das ist gut. Wenn ich meinen Schwerpunkt ein bisschen verlagere, könnte ich vielleicht zum Clownwecker rüber rutschen.“

„Ja! Ja! Ja!“, rief das Püppi ganz aufgeregt, „Mach das, du schaffst das!“ Und während das Buch sich anstrengte, brummte und seinen Schwerpunkt verlagerte, feuerte Püppi das Buch an: „Komm schon, komm schon, noch ein bisschen, gib dir Mühe! Ja, du schaffst das! Ja! Ja! Ja! Du rutschst, du rutschst! Ha!!! Getroffen!“ Püppi jubelte: „Hurra! Voll ins Auge!“

„Auch das noch!“, schnarrte der Clownwecker mit den großen Augen, „Mir bleibt auch Nichts erspart. Hey Buch! Hast du den Verstand verloren? Was denkst du dir?“

„’tschuldigung“, brummte das Buch, „war nicht meine Absicht. Ich habe links hinten doch keine Augen! Aber du, Clownwecker, hast doch so große. Püppi und ich, musst du wissen, wir haben uns gefragt – du stehst doch mit dem Gesicht zum Zimmer und kannst alles überblicken. Kannst du uns erzählen, was wir nicht gesehen haben?“

„Ich stehe nicht, ich stand“, korrigierte der Clownwecker mit den großen Augen. „Und jetzt lieg ich hier mit euch in diesem Sack. Soviel muss doch auch dir klar sein, liebes Buch. Zudem piekst du mir mit deiner Ecke noch immer ins Auge!“

„tschuldigung“, brummte das Buch, „aber ich kann nicht mehr zurück.“

„Naja, ist ja jetzt auch egal“, schnarrte der Wecker, „es hat sich eh bald ausgetickt.“

„Erzähl schon“, rief Püppi, „Was hast du gesehen? Was hast du gesehen?“

„Was habe ich gesehen? Tick-tick-tick-tick-tick in der Zeit zurück. Vor vielen vollen ungezählten Umläufen legte sich unser Mädchen ins Bett – und stand nicht mehr auf. Mutter kam und ging, doch unser Mädchen stand nicht auf. Vater kam und ging, doch unser Mädchen stand nicht auf. Andere Leute kamen und gingen, doch unser Mädchen stand nicht auf. Dann kamen Leute, mit weißen Hosen und Jacken in orange, sie kamen, legten unser Mädchen auf ein anderes Bett, gingen und nahmen unser Mädchen mit. Mutter kam und ging wieder. Vater kam und ging wieder. Unser Mädchen kam nicht wieder. Die Zeit ging und stand still zugleich. Und jetzt gehen wir.“

„Wohin?“, wollte Püppi wissen, „Wohin gehen wir?“

„Auf unsere letzte Reise, liebes Püppi“, antwortete der Clownwecker mit den großen Augen. „Wir gehen dahin, wo auch unser Mädchen ist.“

„Aber das ist doch schön!“, jubelte Püppi.

„Aber der Weg dahin wird dir nicht gefallen“, schnarrte der Clownwecker mit den großen Augen.

„Ist doch egal“, winkte Püppi ab, „Hauptsache, es wird alles wieder so wie früher.“

„Das wird sich zeigen“, schnarrte der Clownwecker.

Und das Buch brummte nur. Ob es ein frohes, oder ein trauriges Brummen war, lässt sich nicht sicher sagen.

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